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Darwin Correspondence Project

DCP-LETT-2934

From H. G. Bronn1   13 [or 15] October 1860

Heidelberg

den 13 [or 15] Oct. 1860

Hochverehrter Herr!

Ich habe mich sehr gefreut wieder einen Brief von 〈Ihnen〉 zu erhalten, und zu sehen wie Sie noch immer 〈un〉ermüdlich mit der weiteren Ausbildung Ihrer Theorie beschäftigt sind.2 Sie sagen mir, dass Sie mit mehren meiner Bemerkungen über Ihre Theorie vollkommen einverstanden seyen und nur in zwei Dingen sich meinem Urtheil nicht anzuschließen vermögen, indem es scheine als habe ich Sie missverstanden,—hinsichtlich einer wiederholten EisZeit, und hinsichtlich der Annahme dass die Entwickelung der Schöpfung auf der ganzen Erd-Oberfläche gleichen Schritt gehalten. Allein ich erinnere mich nicht in diesen Beziehungen Einreden gegen Ihre Theorie erhoben zu haben; und Sie drücken sich in Ihrem Briefe so unbestimmt über das Abweichende in unseren beiderseitigen Ansichten aus, daß ich nicht im Stande bin etwas bestimmteres 〈Ihnen zu〉 antworten. Sollte der Gegensatz zwischen unseren 〈beide〉rseitigen Ansichten zu einer weiteren Besprechung erheblich genug erscheinen, so bitte ich mir die Stellen in meinem Buche anzugeben, wo in der bezeichneten Hinsicht meine abweichende Meinung ausgedrückt ist.

Sie sagen mir ferner, daß wir viele elektrische Erscheinungen aus einer Theorie über Elektrizität erklären, ohne zu wißen, was Elektrizität seye,—ud. daß wir mit gleichem Rechte eine Theorie über den Ursprung des Lebens aufstellen zu können (ohne diesen Ursprung beweisen zu können?). Indeßen beide Fälle sind weit entfernt einander analog zu seyn. Wir wißen, dass alle Materie gewisse Eigenschaften besitzt, und dass jeder Elementar Stoffe wieder seine besondre Eigenschaften hat. Nun nehmen wir an daß die Elektrizität zugleich mit gewissen Elementarstoffen gegeben seye, wie ihre übrigen Eigenschaften. Denn wir erklären auch viele Erscheinungen aus der Schwere, indem wir annehmen, daß Schwere eine den meisten Körpern zukommende Eigenschaft seye, obwohl wir nicht wißen, wie die Schwere mit dem Stoffe zusammenhänge. Wir begnügen uns daher zu sagen, die Schwere ist eine Eigenschaft der meisten Materien. Wir können dieß aber nicht vom Leben sagen. Das Leben ist keine Eigenschaft, welche der Materie inhärirt. Leben setzt Leben voraus, u. Leben erzeugt Leben : wo aber noch kein 〈Leb〉en ist, da entsteht kein Leben; die Materie ist also unabhängig von dem Leben u. das Leben nicht nothwendig an irgend eine Materie geknüpft: überdieß ist es eigenthümlich dass das ganze Leben einer jeden Species ein andres Leben als das Leben einer jeden andern Species ist! und sich so fortpflanzt.

Wir denken uns Elektrizität und Schwere schon mit der Materie gegeben; die Lebenskraft aber ist nicht mit der Materie gegeben und wir bedürfen für Sie noch einer weiteren Erklärung, welche dort nicht nöthig ist.3

Was Ihre Fragen nach Brehms Subspecies betrifft,4 so nimmt er an, daß jede Subspecies einen etwas abweichenden Wohnort, eine etwas abweichende Nahrung, eine abweichende Heimath habe. Viele sind, was man klimatische Varietäten nennt (Corvus corone: Corvus frugilegus); die andern könnte man Stations-Varietäten, Futter-Varietäten u. dgl. nennen.

Ich habe gesehen, daß Brehm viele Dutzend Exemplare von jeder Subspecies verschiedener Arten mit der Behauptung vorzeigte, daß alle Individuen einer Subspecies aus gleichem Vaterlande oder von gleicher Station herstammen. Aber Brehm gibt zu, daß diese Subspecies sich zuweilen miteinander paaren, wenn ein Männchen kein Weibchen von seiner 〈ei〉gnen Subspecies mehr finde, oder umgekehrt. Dieß ist in der That bei Corvus corone u. C. frugilegus zuweilen in Thüringen der Fall, weil in Thüringen der Sommer-Aufenthalt der nordöstlichen C. frugilegus mit dem südwestlichen Corvus corone zusammenstößt. Im Winter leben beide im Südwesten beisammen.

Ich habe als junger Mensch von 15 Jahren zwei Subspecies von Certhia unterschieden, lange zuvor als Brehm sie unterschied, lange zuvor ehe Brehms Namen nur bekannt war    Certhia familiaris Brehm lebt in den Wäldern, Certhia brachydactyla Brehm lebt in den Gärten. Nach Brehm hat sie kürzere Zehen als die erste. Ich habe diesen Unterschied nie deutlich finden können. Aber ich habe gewußt, ehe Brehm es sagte, daß die in den Gärten lebende Varietät einen ganz andern Gesang hat, anders gefärbte Eyer legt, und auch ihr Nest etwas anders anlegt! Es ist bekannt, dass Individuen einer Varietät sich lieber mit einander paaren, als mit solchen von andern Varietäten; daß sie daher im Stande sind ihre Varietät fortzupflanzen u. somit sind Brehms Subspecies nichts anders als klimatische u. Stations Varietäten, die sich in sich fortpflanzen.

Man erkennt in und außerhalb Deutschland klimatische Varietäten an; warum nicht auch Stations-Varietäten? und warum sollten diese Stations-Varietäten sich in der Regel durch In zucht fortpflanzen wie es die klimatischen Varietäten thun? Inzwischen will ich nicht behaupten, daß alle Subspecies, welche Brehm aufgestellt hat, wirklich so weit ausgebildet sind, um sich in der Regel durch In zucht fortpflanzen.

Sie wünschen zu wißen, wie die Deutsche Übersetzu〈ng〉 von Origin of Species verkauft werde? Ich erse〈he〉 aus der Anzeige, daß der Preiss 4 Gulden oder etwas weniger als 7 Shilling ist, welche sich nach Abzug des Rabattes auf 6 Shilling reduziren. Schweizerbart schrieb mir neulich, daß der erste Absatz der Übersetzung nicht so stark gewesen seye, als er erwartet habe, daß derselbe aber noch immer fortdauere.5

Kann ich Ihnen durch sonstige Auskunft dienen, so werde ich es stets mit Vergnügen thun. Inzwischen verharre ich mit ausgezeichneter Hochschätzung Ihr | ergebenster Diener | H. G. Bronn

CD annotations

Verso of last page: ‘〈    〉ee about Glacial Periods & equal Development over world | Bronn seems to believe largely in Brehm—   says he distinguished the two Certhias himself before he had heard of Brehm’6 ink; ‘Ch. IV’7 brown crayon

Footnotes

1
For a translation of this letter, see Appendix I.
2
See letter to H. G. Bronn, 5 October [1860].
3
Bronn had discussed this subject in some detail in Untersuchungen über die Entwickelungs-Gesetze der organischen Welt (Bronn 1858b, pp. 75–82).
4
In the letter to H. G. Bronn, 5 October [1860], CD had asked Bronn whether he was familiar with Christian Ludwig Brehm’s work on the birds of Germany (Brehm 1831) and whether he recognised the large number of subspecies that Brehm identified in this work.
5
The firm of E. Schweizerbart, based in Stuttgart, published the German translation of Origin (Bronn trans. 1860). Christian Friedrich Schweizerbart was the head of the firm.
6
See n. 5, above.
7
CD’s annotation refers to the chapter of Origin that discussed natural selection. In the third edition of Origin, published in 1861, CD added a section to chapter 4 in which he responded to Bronn’s criticism.

Translation

From H. G. Bronn1   13 [or 15] October 1860

Heidelberg

13 [or 15] Oct. 1860

Honoured Sir:

I was pleased to have received another letter from you and to see how you are still untiringly occupied with the further development of your theory.2 You say that you are in full agreement with most of my remarks about your theory, and that only in two things are you unable to agree with my opinion in which it seems that I have misunderstood you,— with regard to a recurring glacial period, and with regard to the assumption that the development of creation on the entire earth’s surface proceeded at the same rate. But I do not remember having raised objections to your theory in these respects; and you express yourself in your letter so vaguely about the deviation in our mutual ideas that I am not in a position to answer you more specifically. If the contrast between our mutual views seems great enough to warrant further discussion, then please point out to me the passages in my book where in this regard my different opinion is expressed.

You say further that we explain many electrical phenomena on the basis of a theory of electricity without knowing what electricity really is,— and that we are able with as much justification to formulate a theory about the origin of life (without being able to prove that origin?). But, the two cases are far from being analogous. We know that all matter possesses certain properties and that each particular element also has its own special properties. Now we assume that electricity is at the same time associated with certain elements, along with their remaining properties. For we also explain many phenomena on the basis of gravity by assuming that gravity is a property pertaining to most bodies, although we do not know how gravity is connected to matter. We satisfy ourselves in saying that gravity is a property of most matter. However, we cannot say this of life. Life is not a property that is inherent in matter. Life presupposes life, and life generates life : but where there is no life, then no life can arise. Matter is therefore independent of life and life is not necessarily bound to any kind of matter. Moreover, it is a curious fact that the entire life of each species is another life apart from the life of any other species! and propagates itself in that way.

We think that electricity and gravity are associated with matter; the Lebenskraft, however, is not associated with matter, and we require for it a further explanation which is not needed for them.3

As regards your question about Brehm’s subspecies,4 he assumes that each subspecies has a somewhat different station, different nourishment, and a different habitat. Many are what one calls climatic varieties (Corvus corone; Corvus frugilegus); others could be designated ‘station-varieties’, ‘food-varieties’, etc.

I have seen that Brehm presented many dozens of examples of each subspecies of various species claiming that all individuals of a subspecies derive from the same country or the same station. However, Brehm admits that these subspecies occasionally will pair with each other if a male finds no female of his own subspecies, or the reverse. This is in fact the case with Corvus corone and C. frugilegus now and then in Thüringen, because in Thüringen the summer residence of the north-eastern C. frugilegus adjoins that of the south-western Corvus corone. In winter both live together in the south-west.

When I was a boy of 15 I distinguished 2 subspecies of Certhia long before Brehm distinguished them, in fact long before Brehm’s name was known. Certhia familiaris Brehm lives in the woods; C. brachydactyla Brehm lives in gardens. According to Brehm the latter has shorter toes than the former. I have never been able to find this distinction clearly. However, I knew before Brehm said so that the variety living in gardens has an entirely different song, lays eggs that are different in colour, and also constructs her nest somewhat differently. It is known that individuals of one variety prefer to breed with each other rather than with those of another variety and that they are therefore in the position to propagate their variety, and thus Brehm’s subspecies are nothing other than climatic- and station-varieties that propagate within their own group.

Climatic varieties are known inside and outside Germany; why not also station-varieties and why should not these station-varieties propagate themselves as a rule through in breeding as the climatic-varieties do? Still, I do not want to maintain that all subspecies that Brehm has adduced are actually so widely developed that they generally reproduce through in breeding.

You would like to know how the German translation of Origin of Species is selling. I see from the announcement that the price is 4 guilders or somewhat less than 7 shillings, which after deducting the trade discount reduces to 6 shillings. Schweizerbart wrote to me recently that the first sale of the translation was not as strong as he had expected, but that it yet continues steadily.5

If I can provide you with some additional information, I would be pleased to do so. In the meantime I remain with the highest esteem your devoted servant | H. G. Bronn

Footnotes

1
For a translation of this letter, see Appendix I.
2
See letter to H. G. Bronn, 5 October [1860].
3
Bronn had discussed this subject in some detail in Untersuchungen über die Entwickelungs-Gesetze der organischen Welt (Bronn 1858b, pp. 75–82).
4
In the letter to H. G. Bronn, 5 October [1860], CD had asked Bronn whether he was familiar with Christian Ludwig Brehm’s work on the birds of Germany (Brehm 1831) and whether he recognised the large number of subspecies that Brehm identified in this work.
5
The firm of E. Schweizerbart, based in Stuttgart, published the German translation of Origin (Bronn trans. 1860). Christian Friedrich Schweizerbart was the head of the firm.

Summary

Does not remember his criticisms of CD’s theory. Can CD locate them in book?

Criticises analogy between knowledge of electricity and knowledge of origin of life.

Explains A. E. Brehm’s concept of subspecies. Discusses subspecies of Certhia.

Letter details

Letter no.
DCP-LETT-2934
From
Bronn, H. G.
To
Darwin, C. R.
Sent from
Heidelberg
Source of text
DAR 160.3: 317
Physical description
5pp (German) damaged

Please cite as

Darwin Correspondence Project, “Letter no. 2934,” accessed on 28 August 2016, http://www.darwinproject.ac.uk/DCP-LETT-2934

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